Kolonialsoldaten

Kolonialsoldaten im ersten Weltkrieg

Man hat mich zum Weißen gemacht

Szenische Lesung in deutscher und französischer Sprache anlässlich des Deutsch-Französischen Tages

Kolonialsoldaten: Eine Kooperation zwischen dem Gallus Theater, dem historischen museum frankfurt und dem Institut français d'histoire en Allemagne. Mit Unterstützung des Institut français Mainz und des Deutsch-Französischen Jugendwerks

Wie kann man den Soldaten aus Afrika eine Stimme geben? Briefe, Tagebücher und Erinnerungen aus afrikanischer, französischer und deutscher Sicht lassen ein vergessenes Kapitel der Geschichte lebendig werden.

Comment faire entendre la voix des soldats africains? À l'aide de lettres, de journaux intimes et de souvenirs de soldats d'Afrique, de France et d'Allemagne, le spectacle rend accessible ce pan oublié de l'histoire.

  • Regie: Ulrich Meckler
  • Bühne: Stephan Gey, Geert Joosten
  • Mit Natanaël Lienhardt, Barbara Englert und Nenad Smigoc
  • Musik: Aziz Kuyateh

Mittwoch 21. Januar 2015 20:00 Uhr

Ort: Gallus Theater
Kleyerstraße 15, 60326 Frankfurt am Main

Ausstellung im Historischen Musem Frankfurt

Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg

11. September 2014 - 15. Februar 2015

Die Fotografien

Den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden 15 großformatige Nahaufnahmen, die zehn Menschen zeigen. Es sind Kriegsgefangene, die aus Nord- und Westafrika stammen und in einem Gefangenenlager fotografiert worden sind. Aber wie passen diese Fotografien zu unserem Bild vom Ersten Weltkrieg? Die Ausstellung hinterfragt genau diese Vorstellungen und erzählt die bisher wenig beachteten Geschichten und Zusammenhänge dieser Fotos.

Die Soldaten

Eine halbe Millionen Männer aus den französischen Kolonien kämpften für Frankreich im Ersten Weltkrieg. Oft wurden sie unter Zwang rekrutiert. Dieser Einsatz gibt dem Terminus „Weltkrieg“ erst seine wirklich globale Bedeutung. Auch auf britischer Seite kämpften viele Kanadier, Australier und vor allem Inder, auf russischer Seite oft muslimische Nicht-Russen aus Zentralasien und dem Kaukasus. Dabei gerieten viele in Gefangenschaft. In speziellen Lagern sammelten die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn solche Soldaten ihrer Gegner, von denen sie hofften, sie könnten gegenüber den britischen und französischen Kolonialherren ihrer Herkunftsländer aktiv werden.

Die Wissenschaft

Die kolonialen Kriegsgefangenen wurden in der Lagern auch zum Untersuchungsgegenstand von Forschern, die auf diese Weise ohne aufwendige Expeditionen Zugang zu Menschen verschiedenster Ethnien aus der ganzen Welt erhielten. Entsprechend den Gepflogenheiten einer in kolonialistischer Tradition stehenden Wissenschaft hat man sie mit Zirkeln vermessen, ihre Köpfe in Gips abgegossen und auf vorgebliche Rassenmerkmale untersucht; sie wurden gefilmt, etwa bei Festen in den Lagern, und ihre Musik und ihre Stimmen wurde auf Schallplatten und Wachswalzen aufgenommen. Wie sollen Museen heute mit solchen „sensiblen Sammlungen“ umgehen?

Die Propaganda

Viele deutsche Propagandaschriften, Postkarten und andere Darstellungen prangerten den Einsatz von schwarzen Soldaten, „wilden Bestien niedrigster Kulturstufe“, im Kampf gegen die deutsche „Kulturnation“ an. Und auch ein Ethnologe wie Leo Frobenius, der einerseits bei den Gefangenen Märchen und Mythen sammelte, veröffentlichte ein Buch (für das die gezeigten Fotografien entstanden), in dessen Einleitung er Frankreich und Großbritannien mit Dompteuren gleichsetzte.

Die Erinnerung

Nicht nur während des Ersten Weltkrieges spielte ein rassistisch geprägtes Überlegenheitsgefühl eine Rolle. Als etwa während der Rheinlandbesetzung 1919 bis 1930 schwarze Soldaten als Besatzungstruppen eingesetzt wurden, rief dies unter der Parole „Schwarze Schmach“ in der deutschen Öffentlichkeit große Empörung hervor. Heute erinnern nur wenige Friedhöfe und Gedenkstätten an die Präsenz und die Schicksale der Kolonialsoldaten. Die Ausstellung macht sich zur Aufgabe, den außereuropäischen Teilnehmern des „Großen Krieges“ eine Stimme zu geben und auf einen der Ursprünge des Rassismus in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen.

In Kooperation mit dem Frobenius-Institut an der Universität Frankfurt und dem Institut français Frankfurt

GEFANGENE-BILDER_Flyer (pdf)

Weitere Informationen

Zur Ausstellungseröffnung erscheint das 160-seitige Begleitbuch "Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg" im Michael Imhof Verlag. Es enthält 150 farbige Abbildungen der Ausstellungsobjekte und ergänzende Informationen. Mit Beiträgen von Sophie Bajart, Anna-Maria Brandstetter, Antoine Champeaux, Julie Coulombel, Eric Deroo, Katja Geisenhainer, Jean-Louis Georget,  Jan Gerchow, Hélène Guillot, Margot Kahleyss, Karl-Heinz Kohl, Richard Kuba, Britta Lange, Joe Lunn und Sandra Maß. Herausgeber sind die Mitautoren Benedikt Burkard und Céline Lebret.

Gefangene Bilder -

ISBN 978-3-7319-0069-6, Buchhandel und Museum: 19,95 €

Links zum Thema

Hörbeitrag auf KulturRadio rbb: Muslimische Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg. Wie Wissenschaft und Propaganda im Wünsdorfer "Halbmondlager" funktionierten (leider nicht mehr abrufbar)

Trailer zur Performance der Compagnie Mémoires Vives aus Straßburg: "A nos morts"

Quelle:  (21.01.2015)

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